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Augenblicke

 

Osterburgs Traum-Welten - im Kabinett der Wunder

Eine Werkschau die begeistert

Preview am 22.04.2026

Ein Braunschweiger, macht in den USA als Künstler Karriere hat zahlreiche Ausstellungen so auch im Metropolitan Museum und unzählige Lehraufträge, einen internationalen Ruf als Meisterdrucker und kehrt jetzt erstmals mit einer zauberhaften und Nachdenkens werten Ausstellung in seine Heimatstadt zurück. Wenn das kein Wunder ist! Ein Wunder, das sich der 60jährige Lothar Osterburg hart erarbeitet hat, wie seine biografischen Andeutungen zeigen – an der hiesigen HBK scheint er nicht glücklich gewesen zu sein. Doch ein Guggenheim Stipendium lockte ihn nach San Franzisko.

Cabinet of Wonders ist völlig zu Recht die neue Ausstellung im Museum betitelt. Der deutsch amerikanische Künstler Lothar Osterburg erweist seiner Geburtsstadt zauberhafte Referenz. Die Besucher haben Teil an seinen Erinnerungen, sehen wie er respektlos liebevoll freundlich alte Meister zitiert und gehen mit seiner Schiffsparade sozusagen über den Großen Teich, wo er in seiner Technik, der Heliogravüre - er dürfte weltweit der einzige Künstler sein, der sich darauf spezialisiert hat - Brooklyn und New York auf charmante Art verfremdet.

Osterburg bekennt mit leicht verschämten Augenzwinkern: Ich habe das Museum vergrößert, denn sonst wäre ja gar kein Platz mehr für mich gewesen. Und tatsächlich gleich zu Beginn steht da das HAUM in die Länge gezogen und mit U-Bahn-Station. Allein schon dieses aus geschredderten alten Büchern geschaffene Erinnerungs-Modell lädt zum Staunen, Hingucken und auch Nachfragen ein. Privates, Werk- und Kunstgeschichte verbinden sich hier auf das Glücklichste

Nebenbei bemerkt, es grenzt schon fast an ein Wunder, wie die Museumsleute, allen voran die stellvertretende Direktorin und Kuratorin der Schau Dr. Astrid Becker noch den Platz für diese zauberhaften Exponate gefunden haben. Ist das Museum doch mit den welfischen Silbermöbeln und den mittelalterlichen Glanzstücken aus der Burg so ziemlich bis in die letzte Ecke gefüllt.

Mit Witz, Akribie und Können bis ins kleinste Detail gestaltet Osterburg seine Guckkastenbilder. Verbindet Kunst und Architektur mit leichter Respektlosigkeit, setzt Vergangenheit und Gegenwart in Verbindung, stellt den Bezug zu Gemälden im Museum her. Schade, dass sein Turm der Wunder nur als Heliogravüre, eine eher anachronistische Technik, die höchst aufwändig ist, im Museum zu finden ist, doch das Original hätte einfach keinen Platz gefunden. Osterburgs Welt ist Kunst die Lust macht, sie zeigt Träume und Visionen einer Kind gebliebenen Künstlerseele.

Die Musik im Hintergrund komponiert und gespielt von seiner Frau Elizabeth Brown vertieft die kontemplative Stimmung, die einen vor allem auch beim Turmbau zu Babel und den Piranesi Bildern überkommt: Bildnerische und literarische Zitate nahezu ohne Ende.

Die Museumsfreunde hatten einen amüsanten Abend, der dem genauen Sehen, dem Hingucken und Staunen gewidmet war und in Lothar Osterburg einen charmanten, selbstironischen und zugewandten Vermittler seiner Kunst.

Eva-Maria Dennhardt